Zuletzt aktualisiert: 25. März 2026 · 14 Min. Lesezeit · von Lars Sinsel
Shopify B2B 2026: Grosshandel und B2B-Shop mit Shopify Plus einrichten
Shopify B2B ist nur mit Plus verfügbar. Was die Funktionen wirklich können, wann sich der Upgrade lohnt, und wann eine spezialisierte B2B-Plattform sinnvoller ist.
Anzeige: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links kaufst, erhalten wir eine Provision — für dich ohne Mehrkosten. Unsere redaktionelle Bewertung bleibt davon unberührt.
| Tool | Score | Preis | |
|---|---|---|---|
| Top Shopify Plus B2B | 8.5/10 | ab 2.300 USD/Monat | Testen |
| Orderchamp | 7/10 | keine Grundgebühr, Provision | |
| Shopify Standard + Wholesale-App | 5.5/10 | ab 79 USD/Monat + App |
TL;DR:
- Shopify B2B ist nur mit Shopify Plus verfügbar — Mindestinvestition 2.300 USD/Monat
- Kernfunktionen: Company Accounts, individuelle Preislisten, Net Payment Terms, B2B-spezifischer Checkout
- Stärke: B2B und B2C im selben Store, ein Backend, eine Produktverwaltung
- Wann nicht: wenn du reinen Großhandel über Händler-Netzwerke betreiben willst (dort sind Orderchamp/Faire stärker)
- Break-Even für Plus: ab ca. 800K EUR Jahresumsatz mit aktivem B2B-Anteil
Wer Shopify B2B wirklich braucht
Ich werde direkt sein: Shopify B2B ist für eine spezifische Situation gebaut und für diese Situation sehr gut. Für andere Situationen gibt es bessere Lösungen.
Die ideale Shopify-B2B-Situation: Du betreibst bereits einen erfolgreichen B2C-Shopify-Store und willst dasselbe Produktsortiment auch für ausgewählte Großhändler, Wiederverkäufer oder B2B-Kunden öffnen — zu unterschiedlichen Preisen, mit anderen Zahlungskonditionen.
Nicht die richtige Lösung für:
- Reine Großhandelsplattformen die primär neue Händlerpartnerschaften suchen (dort: Orderchamp, Faire, Ankorstore)
- Shops unter 500K EUR Jahresumsatz (Plus lohnt sich nicht — Standard-Shopify mit Wholesale-App reicht)
- Komplexe B2B-ERP-Integrationen mit SAP/Oracle die spezifische Middleware brauchen
Für den B2B-Enterprise-Vergleich mit Shopware 6 empfehle ich unseren ausführlichen Shopify Plus vs. Shopware 6 Enterprise Vergleich.
Was Shopify B2B konkret bietet
Company Accounts: Der Kern des B2B-Systems
Statt einzelnen Kundenprofilen (wie im B2C) arbeitet Shopify B2B mit Company-Struktur:
- Company: Das Unternehmen (z.B. “Müller GmbH”)
- Company Location: Standorte des Unternehmens (Zentrale, Filialen, Lager)
- Contact: Ansprechpartner der Company, mit individuellen Berechtigungen
Ein Unternehmen kann mehrere Standorte haben — jeder Standort kann andere Preislisten und Zahlungskonditionen haben. Das ist relevant wenn du z.B. einem Großhändler mit Filialnetz arbeitest: Zentrale bekommt Net 30, Filialen zahlen sofort; Preisliste A für Großbestellungen, Preisliste B für kleinere Orders.
Setup: Im Shopify Plus Admin unter Customers → Companies. Neue Company anlegen, Standorte hinzufügen, Kontakte zuweisen, Preisliste verknüpfen.
Individuelle Preislisten: Ohne App, ohne Kompromisse
Das ist das Feature das Wholesale-Apps replizieren aber nie vollständig abbilden können. In Shopify Plus B2B definierst du Preislisten die direkt an Company Locations gebunden sind.
Preislisten-Optionen:
| Typ | Beispiel | Anwendungsfall |
|---|---|---|
| Prozentualer Rabatt | 20% auf alle Produkte | Einfacher Großhandel |
| Fester Preis | Produkt X = 45 EUR | VIP-Kunden, Rahmenverträge |
| Preisstaffelungen | 1-9: 50 EUR, 10-49: 45 EUR, 50+: 40 EUR | Mengenrabatte |
Wichtig: Die Preislisten greifen direkt im Checkout — der B2B-Kunde sieht sofort seinen Preis, ohne Gutscheine, ohne manuelle Anpassungen. Das ist der technische Unterschied zu App-basierten Lösungen die oft Post-Checkout-Rabatte berechnen (und damit den nativen Checkout-Flow brechen).
Mehrere Preislisten pro Company Location sind möglich: z.B. “Sommerkollektion -30%”, “Basics Dauerrabatt -15%”, aktiv je nach Bestelldatum oder Produktkategorie.
Net Payment Terms: Kreditrahmen für B2B-Kunden
Net Payment Terms erlauben B2B-Kunden auf Rechnung zu bestellen. Shopify Plus B2B unterstützt:
- Net 7, 15, 30, 60, 90 (konfigurierbar pro Company Location)
- Kreditlimits (maximaler offener Betrag)
- Automatische Rechnungsstellung via Shopify
Was das bedeutet in der Praxis: Dein Großhandelskunde bestellt Montag für 15.000 EUR. Shopify erstellt automatisch eine Rechnung mit Fälligkeit in 30 Tagen. Im B2B-Dashboard siehst du alle offenen Posten, Fälligkeiten und Zahlungsstatus. Keine manuelle Excel-Tabelle, kein separates Buchhaltungssystem für die Rechnungsverfolgung.
Grenze: Shopify übernimmt das Tracking — aber kein automatisches Mahnwesen. Für Mahnungen und Zahlungsausfallmanagement brauchst du entweder manuelle Prozesse oder Integration mit deinem ERP/Buchhaltungssystem.
B2B-Checkout-Anpassungen
Mit Shopify Plus und Checkout Extensibility kannst du den Checkout-Flow für B2B-Kunden spezifisch anpassen:
- Bestellnummer-Feld: B2B-Kunden können ihre eigene Purchase Order-Nummer eintragen
- Mindestbestellwerte: Checkout sperrt unter definiertem Minimum
- Versandoptionen: B2B-Kunden sehen andere Versandoptionen als B2C (z.B. Spedition, Palettenlieferung)
- Zahlungsmethoden: B2B sieht nur Überweisung + Net Terms, kein PayPal, keine Kreditkarte
Das geht ausschließlich mit Checkout Extensibility (Shopify Plus) — nicht mit dem alten checkout.liquid-System.
Separate B2B-Storefront oder gemeinsamer Store
Du hast zwei Optionen:
Option A: Selber Store, getrennte Zugänge B2C-Kunden sehen normale Preise, B2B-Kunden loggen sich in ihre Company-Account ein und sehen sofort ihre Konditionen. Selbes Frontend, selbe Produkte, selbe URL. Einfacher zu verwalten.
Option B: Separater B2B-Store (Expansion Store) Shopify Plus erlaubt bis zu 10 Expansion Stores ohne Mehrkosten. Du erstellst einen zweiten Store der passwortgeschützt oder domain-gesichert nur für B2B-Kunden zugänglich ist (z.B. wholesale.dein-store.de). Mehr Kontrolle über das B2B-Erlebnis, mehr Verwaltungsaufwand.
Für die meisten Händler ist Option A einfacher. Option B macht Sinn wenn das B2B-Sortiment komplett anders ist als das B2C-Sortiment.
Shopify B2B vs. eigenständige B2B-Lösungen
Orderchamp
Was Orderchamp ist: Ein B2B-Marktplatz der deutschen und europäischen Retailern die Möglichkeit bietet, bei Großhändlern einzukaufen. Als Anbieter listst du deine Produkte auf dem Marktplatz.
Stärke von Orderchamp: Das eingebaute Händlernetzwerk. Wenn du B2B-Kunden akquirieren willst, hast du auf Orderchamp sofortige Sichtbarkeit bei Tausenden aktiven Retailern ohne Marketing-Invest.
Schwäche: Du zahlst ca. 5% Provision auf jede Bestellung plus Mindestmengen-Anforderungen. Kein eigenes Branding, kein eigener Checkout, keine tiefe Integration mit deinem bestehendem Store.
Wenn Orderchamp besser ist als Shopify B2B: Du bist neu im B2B-Bereich, hast noch keine Großhandelskunden und willst Händler-Beziehungen aufbauen. Orderchamp bringt den Traffic.
Wenn Shopify B2B besser ist: Du hast bereits Großhandelskunden oder weißt genau wen du ansprechen willst. Shopify B2B ist günstiger wenn du regelmäßige Großbestellungen von bekannten Kunden abwickelst (keine 5% Provision pro Order).
Faire und Ankorstore
Ähnlich wie Orderchamp — europäische B2B-Marktplätze für unabhängige Marken und Einzelhändler. Faire ist stärker in USA/UK, Ankorstore fokussiert Europa.
Beide haben Buyer Protection (Rückgaberechte für Händler) und integrierte Finanzierung — Features die Shopify B2B nicht nativ hat.
Fazit: Für Marktplatz-Präsenz und Neukunden-Akquise im B2B sind diese Plattformen stärker. Für die operative Abwicklung bestehender B2B-Beziehungen in deinem eigenen Store ist Shopify Plus die bessere Infrastruktur.
Eigenentwicklung / Headless B2B
Für Enterprise-Händler mit komplexen ERP-Integrationen (SAP, Oracle, Microsoft Dynamics) gibt es manchmal keine Alternative zu einer Headless-Lösung die Shopify als Commerce-Engine nutzt und ein custom B2B-Frontend obendrauf baut.
Kosten: 50.000-200.000 EUR Entwicklung + laufende Wartung. Nur sinnvoll ab sehr hohem B2B-Umsatzvolumen (>5 Mio EUR/Jahr B2B) mit komplexen Prozessanforderungen.
Wann Shopify B2B sich rechnet
Die Break-Even-Rechnung
Shopify Plus kostet 2.300 USD/Monat ≈ 27.600 USD/Jahr. Der Mehrwert von B2B muss diese Kosten rechtfertigen.
Vergleich: Standard Shopify + Wholesale-App
- Shopify Advanced: 299 USD/Monat = 3.588 USD/Jahr
- Wholesale Club Pro: 99-249 USD/Monat = 1.188-2.988 USD/Jahr
- Gesamt: 4.776-6.576 USD/Jahr
Differenz zu Shopify Plus: ~21.000-23.000 USD/Jahr Mehrkosten für Plus.
Diese Mehrkosten rechtfertigen sich durch:
- Eingesparte App-Gebühren bei weiteren Apps die Plus inklusive hat
- Niedrigere Transaktionsgebühren (0% statt 0.5% bei Advanced — ab 4.6 Mio EUR/Jahr Breakeven)
- Operative Effizienz durch native B2B-Integration (kein App-Overhead, besserer Checkout)
- Mehr Expansion Stores für internationale B2B-Märkte
Meine Einschätzung: Shopify Plus für B2B rechnet sich, wenn:
- B2B-Anteil am Umsatz mindestens 200.000 EUR/Jahr
- Bereits mehr als 10 aktive B2B-Kunden mit regelmäßigen Orders
- Oder der B2C-Store allein bereits den Plus-Upgrade rechtfertigt (ab 800K EUR/Jahr Umsatz)
Für alles darunter: Standard Shopify mit Wholesale Club oder vergleichbarer App ist wirtschaftlicher.
Eine ausführliche Shopify Plus Break-Even-Rechnung findest du in unserem Shopify Plus Artikel.
Setup: B2B mit Shopify Plus in 5 Schritten
Schritt 1: B2B im Shopify Plus Admin aktivieren
B2B ist standardmäßig nicht aktiviert. Im Admin unter Settings → Markets → B2B enablen. Damit schaltest du die Company-Struktur und B2B-spezifische Felder frei.
Schritt 2: Preislisten definieren
Customers → Catalogs → Create Catalog
Pro Preisliste definierst du:
- Name (intern, z.B. “Großhändler Tier 1”)
- Basis-Preisregel (% Rabatt auf alle Produkte)
- Produkt-spezifische Überschreibungen (einzelne Produkte zu anderen Preisen)
- Optionale Preistaffelungen nach Menge
Starte mit 2-3 Preisstufen — nicht mit 20. Komplexität kostet Verwaltungsaufwand.
Schritt 3: Companies anlegen
Customers → Companies → Create Company
Für jeden B2B-Kunden:
- Company anlegen (Firmenname, USt-IdNr.)
- Location(en) hinzufügen (Lieferadressen)
- Contacts zuweisen (Ansprechpartner mit Login)
- Preisliste aus Schritt 2 verknüpfen
- Optionale Net Payment Terms konfigurieren
Zeitaufwand: 10-15 Minuten pro Company. Für 50 Bestandskunden also ca. 8-12 Stunden initialer Setup.
Schritt 4: Checkout für B2B anpassen
Mit Checkout Extensibility (Shopify Plus Funktion):
- Purchase Order-Nummern-Feld hinzufügen
- Mindestbestellwerte setzen
- B2B-spezifische Versandoptionen konfigurieren
- Zahlungsmethoden auf Rechnung/Net Terms beschränken
Das erfordert entweder eine Checkout UI Extension (Shopify Functions, etwas Entwicklerarbeit) oder eine App wie Checkout Builder.
Schritt 5: B2B-Kunden onboarden
Zwei Optionen:
A) Manuelle Einladung: Im Company-Profil auf “Send invite” klicken. Kontakt bekommt eine E-Mail um einen Account anzulegen.
B) Selbstregistrierung: Mit einer App oder Custom-Code eine B2B-Registrierungsseite erstellen (Shopify hat keine native Selbstregistrierung für B2B-Companies).
Für die meisten kleineren B2B-Händler (unter 100 Kunden) ist manuelle Einladung der einfachere Weg.
Realistische Erwartungen
Shopify B2B ist gut — aber nicht perfekt. Was ich als Einschränkung sehe:
Kein natives Mahnwesen. Net Terms tracken läuft gut, aber automatische Mahnungen bei Zahlungsverzug — nicht vorhanden. Hier brauchst du manuelle Prozesse oder eine ERP-Integration.
Begrenzte B2B-Analytik. Shopify Analytics unterscheidet nicht native zwischen B2B und B2C. Du musst entweder Segmente manuell definieren oder ein externes Reporting-Tool nutzen.
Kein EDI nativ. Große Einzelhändler erwarten oft EDI (Electronic Data Interchange) für Bestellabwicklung. Shopify hat keine native EDI-Funktion — das geht nur über Middleware oder Apps.
Keine eigenständige Händler-Akquise. Shopify bringt dir keine neuen B2B-Kunden. Du musst diese selbst akquirieren oder über Marktplätze wie Orderchamp ergänzen.
Für internationale B2B-Händler und multi-currency Anforderungen ist Shopify Plus solide — Shopify Payments unterstützt Multi-Currency, und du kannst verschiedene Preislisten in verschiedenen Währungen konfigurieren.
Shopify B2B vs. Standard-Shopify-Apps: Was wirklich fehlt
Falls du heute mit Standard-Shopify und einer Wholesale-App arbeitest, hier was du konkret gewinnst (und verlierst) beim Upgrade auf Plus B2B:
| Feature | Standard + App | Shopify Plus B2B |
|---|---|---|
| Individuelle Preise | Ja (mit Einschränkungen) | Ja (nativ, tiefer) |
| Net Payment Terms | Nicht nativ, teilweise per App | Nativ |
| Company-Struktur | Nicht vorhanden | Nativ |
| Checkout-Anpassung | Begrenzt | Vollständig (Checkout Extensibility) |
| Transaktionsgebühren | 0.5% (Advanced) | 0% |
| Mehrere Stores | Nicht inklusive | Bis zu 10 Expansion Stores |
| Monatliche Kosten | ~400-500 USD | ~2.300 USD |
Die Frage ist immer: Lohnt sich der Aufpreis von ~1.800 USD/Monat für das was du konkret brauchst? Für Shops mit aktivem B2B-Geschäft ab ca. 1 Mio EUR/Jahr Gesamtumsatz — häufig ja.
Shopify Plus B2B — Beratung & Demo anfragenWeitere Lektüre: Shopify Kosten — alle Pläne im Vergleich, Shopify Plus — Wann lohnt sich der Upgrade?, Shopify Plus vs. Shopware 6 Enterprise.
Newsletter
Die besten Tool-Deals & Reviews direkt ins Postfach
Kein Spam. Nur relevante Updates wenn sich etwas wirklich lohnt. Double-Opt-In, jederzeit abbestellbar.
Double-Opt-In. Datenschutz gemäß DSGVO.